2019-03-17T11:44:35+00:00

Project Description

CESAR

Die cesar-Methodik beschreibt ein transdisziplinäres Verfahren zur Erforschung und Entwicklung innovativer Lösungen für unterschiedliche Einsatzgebiete. Verwendungsbereiche dieser Methodik sind neben klassischen Gestaltungsdisziplinen wie dem Design und der Architektur auch die Entwicklungsbereiche der Ingenieurswissenschaften sowie die Unternehmensberatung. Primäres Ziel der cesar-Methodik ist es, aufbauend auf einem präzisen und umfassenden Verständnis des zu thematisierenden Kontextes, einen Bedarf zu identifizieren und diesen mittels innovativer Lösungen moderiert und strukturiert zu decken.

Der Name „cesar“ leitet sich von den fünf zentralen Modulen und Perspektiven dieses Prozesses ab, nämlich corporate, experience, system, action und realisation. Der Gesamtprozess lässt sich in zwei Hauptphasen unterteilen. In der ersten Phase, den Modulen ces, findet eine analytische Betrachtung des Entwurfskontextes in drei unterschiedlichen Dimensionen statt. So bezieht sich das Modell im Rahmen der ersten Dimension auf die wirtschaftlich-unternehmerische Perspektive (c = corporate) und betrachtet hierbei beispielsweise Wettbewerbsfaktoren und strategische Positionen. In der subjektbezogenen experience-Dimension (e) konzentriert sich das Modell auf die NutzerInnen bzw. AnwenderInnen und integriert hier neben anderen auch Erkenntnisse der Psychologie, Ergonomie und User-Experience. Die dritte Dimension stellt die systemische Perspektive (s = system) dar und umfasst unter anderem alle funktionalen bzw. technischen Aspekte des Projektes. Hierbei spielen auch neue Produktionsverfahren und Materialeigenschaften eine Rolle.

Zwischenergebnis dieses Forschungsprozesses bildet die Zusammenfassung der relevanten Bedingungen für den darauffolgenden Entwicklungsprozess. Dieser wird in Form sogenannter „Focus Points“ fixiert und bildet die Grundlage für die zweite Hauptphase des Prozesses. In dieser werden im Rahmen der Module action (a) und realisation (r) mittels klassischer Kreativwerkzeuge wie dem Design-Thinking-Ansatz Lösungen konzipiert und anhand der Focus Points selektiert und zum Schluss definiert. Hierbei stellt die Realisationsphase die tatsächliche Umsetzung der in der Action-Phase generierten Entwürfe dar. So werden etwa Webseiten-Entwürfe praktisch finalisiert und umgesetzt oder Konsumgüter zur Produktionsreife geführt. Die cesar-Methodik lässt sich flexibel an die Entwurfsbedingungen anpassen und ist abhängig von Budget, Zeitplan und methodischer Nützlichkeit über drei Intensitätsebenen skalierbar.

Entstehungsgeschichte

Der Entwicklung der cesar-Methodik geht ein vielseitiger Erfahrungsweg unterschiedlicher WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen voraus. Ausgangspunkt bildete dabei die Entwurfspraxis von Prof. Tom Philipps, der im Rahmen verschiedener Projekte kostenintensive und ineffiziente Strukturen im Projektablauf feststellte. Besonders die fehlende Kommunikation einzelner AkteurInnen im Rahmen eines Projektes sowie die unstrukturierte und damit unvollständige Analyse des Ausgangspunktes führte in vielen Entwicklungsprozessen zu einem Korrekturbedarf in späteren Entwicklungsphasen.

Nach einigen Jahren der intensiven Forschung und Entwicklung formulierte Philipps einen Ansatz, der diese Defizite auszugleichen versuchte. Sowohl im Rahmen von einigen F&E Projekten wie z.B. die beiden BMWI- Vorhaben RIA 1 und RIA 2, später das eMove Vorhaben als auch am Beispiel konkreter Auftragsforschungsvorhaben, die in Kooperation mit der Merck KG und der Freudenberg GmbH bearbeitet wurden, konnte die Methodik entwickelt und vertieft werden.

Der erfolgreiche Einsatz der cesar-Methodik in unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwurfskontexten ermöglichte somit eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Ansatzes. Im späteren Verlauf wurde die Arbeit von Philipps durch ein transdisziplinäres Forschungsteam ergänzt, weiterentwickelt und durch verschiedene methodische Ansätze und Forschungsparadigmen geschärft. Die cesar-Methodik stellt die erste umfassende Beschreibung dieses Ansatzes dar. Sie entstand am Institut für Designforschung an der Hochschule Darmstadt.